Altenburg, 26.05.2018 00:16 Uhr

Redaktions-Blog

15:23 Uhr | 15.03.2017

Kommentar zum kulturpolitische Dialog

Der Realität verweigern?

Gibt es in Altenburg nun Rassismus oder nicht? Altenburgs Oberbürgermeister scheint darin Einzelfälle zu sehen, die, wenn darüber berichtet wird, dem Image der Stadt schaden. Die Konsequenz, man schweigt über regelmäßige Veranstaltungen rechter Vordenker in Kosma, Reichskriegsflaggen in Kleingärten oder eben über Übergriffe auf ausländische Schauspieler des Theaters in Altenburg. Mit Sicherheit macht dies Altenburg nicht schlimmer als Provinzstädtchen in Bayern oder Niedersachsen und genau deshalb waren viele Berichte überregionaler Medien gegenüber der Skatstadt unfair. Aber darüber zu schweigen, weil ein negatives Image wirtschaftlich schaden könnte, hat etwas von Astrid Lindgrins Pippi Langstrumpf. Man macht sich die Welt, wie sie einem gefällt. Allerdings klappt das Ausblenden der Realität leider nur in der Fiktion, und es ist keine Fiktion, dass der nächste potentielle Investor für Altenburg eine andere Hautfarbe haben könnte. Wie dessen Investitionsentscheidung nach Anremplern oder rassistischen Zurufen auf der Straße aussehen würde, dürfte relativ klar sein.

Wer negiert, dass es permanenten Alltagsrassismus gibt und dass die aktuelle Flüchtlingsproblematik hier wie ein Beschleuniger wirkt, muss schon sehr von der Realität entkoppelt sein. Ja, wir brauchen ein positives Image für Altenburg, so wie es sich jede Stadt im Osten oder Westen wünscht. Eine Broschüre oder Webseite über das schöne Altenburg ist aber purer Aktionismus und zeugt eher von einer Hilflosigkeit gegenüber der komplexen Realität.

Der kulturpolitische Dialog im Rathaus war ein erster richtiger Schritt, auch oder gerade weil alle Seiten im Gespräch sind. Aber er kann nur der Anfang eines langen Prozesses sein. Altenburg ist nicht weltoffen, weil wir es so nennen, Altenburg kann nur weltoffen sein, weil es gelebt wird.
Wer glaubt, dass der Dialog im Rathaus alle Probleme geklärt hat und eine Broschüre jetzt gute Stimmung macht wird das latente Problem des Rassismus weiter fördern. Leider haben ähnliche Veranstaltung in den letzten Jahren z.B. zu den Themen Graffiti oder Crystal gezeigt, dass manchem Politiker der Aktionismus reicht, um ein Problem offiziell als behoben zu erklären, eben ein bisschen wie Pippi Langstrumpf.

 

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

23.01.2014

Mietspiegel als Chance

Ja, man kann sie jetzt schon hören, all jene, die von Mietwucher in Altenburg reden. Immerhin steigt mit dem neuen Mietspiegel die... [mehr]

10.11.2016

Vom Mauritianum und Hausaufgaben

Manchmal sitzt man als Journalist mit großem Erstaunen in Veranstaltungen wir einem Kreistag und fühlt sich ein wenig, als wäre man zu... [mehr]

16.01.2014

Politische Fehler, die nicht korrigierbar sind

„Außer Spesen nix gewesen“, das dürfte bei den Bürgern des Altenburger Landes hängen bleiben, wenn man auf den Streit um das... [mehr]

04.03.2014

Hat Gutsverwaltung die Anwohner gelinkt?

Als ehemaligem Bewohner der ländlichen Regionen ist mit der ländliche Geruch durchaus bekannt. Und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass... [mehr]

17.04.2018

Sieger, Verlierer und Wahlfehler

Der strahlende Wahlsieger heißt André Neumann und damit zieht der 40jährige Mitte des Jahres als oberster Altenburger in das Altenburger... [mehr]

25.05.2014

Good bye Stadtrat und Kreistag

Jawohl sie sind die Geschichte, der alte Stadtrat in Altenburg und der alte Kreistag des Landkreises. Doch der König ist tot und lang... [mehr]

13.01.2014

Kommentar zur Mitgliederversammlung der Linken

Eine der ersten Aufgaben, welche die neue Kreisvorsitzende bei den Linken haben sollte, wäre die Einführung von Selbstkritik. Während... [mehr]

05.03.2014

Wahlkämpfer bringen sich in Stellung

Noch sind nicht alle (Wahl-)Würfel gefallen, aber zumindest die ersten, und da lohnt es sich, etwas im Kaffeesatz zu lesen. Immerhin... [mehr]

31.03.2017

Stadtrat: Es lebe die Demokratie?

Es war mit Sicherheit eine denkwürdige Stadtratssitzung am gestrigen Abend. Doch dies nicht allein wegen des Beschlusses für die... [mehr]